Deine Sorgen möchte ich haben!

„Deine Sorgen möchte ich haben!“ – wie oft ist uns diese Bemerkung schon über die Lippen gekommen. Meistens dann, wenn uns jemand von seinen Sorgen und Problemen erzählt hat und wir diese nicht hören wollten, weil sie uns so klein und unbedeutend vorkamen. Wir dachten für uns:

„Meine Sorgen sind viel größer! Was der nur mit seinen winzigen Problemen hat. Das ist doch gar nichts!“ Ja, oft interessieren wir uns nicht wirklich für die Probleme des anderen, sondern sind auf uns selbst und unsere Schwierigkeiten fixiert. Wir bekommen zwar mit, was der andere sagt, aber in Wirklichkeit hören wir nicht zu. Die Sorgen des anderen sind uns in diesem Moment egal.

 

„Ihre Sorgen möchten wir haben“ – So las ich es im Urlaub in Österreich auf einem Müllwagen. Das Entsorgungsunternehmen warb für sich, machte mit Bild und Slogan deutlich: Hier sind Sie mit Ihrem Müll richtig. Wir entsorgen alles. Nur her damit!

 

Wer schon einmal einen Keller entrümpelt hat, weiß, was einen beschäftigt und bedrückt, bevor man überhaupt damit angefangen hat. Wie man hilflos vor dem Berg steht und sich denkt: „Das ist so viel. Das schaffe ich nicht. Was soll ich nur mit dem ganzen Zeug machen? Da ist doch so viel dabei, was keiner mehr brauchen kann, so viel Schrott. Wann ist der Termin für Sperrmüll? Was mache ich mit dem Rest? Wo kann ich ihn hinbringen? Oder wer kann ihn abholen?“ Fragen über Fragen. Und dann, wenn man die richtige Adresse (und eventuell auch ein paar tatkräftige Helfer) hat, dann ist man froh! Und es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man am Schluss in den leeren, sauberen Räumen steht und die Säcke mit Abfall und kaputten Dingen endlich los hat – sie entsorgt hat.

 

Auch in der Bibel ist von Entsorgung die Rede. In 1. Petrus 5, 7 heißt es: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ Sorgen gibt es in unserem Leben immer wieder. Sei es die Frage, ob der Arbeitsplatz noch sicher ist, die Angst vor einer ärztlichen Untersuchung oder die Befürchtung, dem Druck und dem Stress nicht mehr gewachsen zu sein. Sorgen um die Kinder, Sorgen um die Eltern. Solche Sorgen belasten uns. Sie machen unser Leben dunkel. Sie sind wie ein großer Haufen, der einen langsam erdrückt.

 

Wie gut ist es, wenn es da so ein Angebot gibt. Jesus sagt: „Deine Sorgen möchte ich haben!“ Er möchte damit nicht unsere Sorgen klein machen und sie als unbedeutend abtun. Nein, Jesus liebt uns. Er hat uns versprochen, für uns zu sorgen, und er möchte, dass wir ihm unsere Sorgen sagen. Wir dürfen sie ihm hinwerfen und müssen sie nicht länger mit uns herumschleppen oder sie bedrückt anstarren. Jesus interessiert sich für unsere Sorgen, egal, ob sie klein oder groß sind. Er möchte, dass wir sie im Gebet zu ihm bringen, dass wir ihm erzählen, was uns belastet. Und ihm ist es auch nicht wichtig, dass wir schöne Worte finden, oder ob es vielleicht nur zu einem Seufzer reicht. Jesus hört uns zu, er möchte unser Ent-sorger sein. Dafür müssen wir keinen Termin vereinbaren oder etwas bezahlen. Er ist da und wartet auf uns.

 

 

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie diese Erfah-rung machen können: Werfen Sie Jesus ihre Sorgen hin und vertrau-en Sie auf seine Zusage: Ich sorge für dich!

 

Cornelia Flach

Totensonntag – Ewigkeitssonntag

Als Kind kannte ich nur den Begriff Totensonntag. Ich erinnere mich, dass ich an diesem Tag mit meiner Mutter durch den herbstlichen Wald zu dem Grab meines Großvaters gewandert war. Ehrendes Totengedenken war für mich der tiefe Sinn dieses Tages. Erst im Konfirmandenunterricht erfuhr ich, dass die Bezeichnung für den letzten Sonntag im Kirchenjahr eigentlich „Ewigkeitssonntag“ war. Zusätzlich erzählte uns unser Religionslehrer, wie deprimierend es war, wenn man an diesem Tag in Berlin, wo er damals wohnte, viele Menschen in schwarzer Kleidung mit ernsten, traurigen Mienen zu den Kirchhöfen ziehen sah, um die Gräber ihrer lieben Verstorbenen zu besuchen, was durchaus verständlich ist.  Er erinnerte sich da lebhaft an Nietzsches Vorwurf „Die Christen müssten mir erlöster aussehen, … wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ Ist es da nicht zutreffender, ohne dabei unsere Toten zu vergessen, den Namen „Ewigkeitssonntag“ vorzuziehen?

 

Christen schauen eigentlich nicht so sehr zurück, sondern nach vorne in die ihnen von Gott bereitete Zukunft. Auch das Ende des Kirchenjahres weist darauf hin. Man erwartet ja etwas, das kommen wird: Advent – Ankunft des Herrn. Darin verbindet sich Erinnerung (an die Geburt Jesu in der Krippe) sowie Hoffnung und Erwartung auf das Kommen Christi am Ende der Zeit. Diese Begegnung mit dem lebendigen Herrn am Anbruch der Ewigkeit müsste die Christen fröhlich stimmen. Unvergessen sind mir die Worte eines Freundes auf seinem Sterbebett: „Ich freue mich, nun zu meinem Herrn Jesus zu kommen.“ Im Vertrauen auf die gnädige Errettung aus dem Jüngsten Gericht konnte er so sprechen.

 

Wir schauen drum nach vorne und gehen getrost in die Zukunft. Wie sagte doch Gerhard Tersteegen: „Ein Tag der sagt dem andern, mein Leben ist ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit so schöne, mein Herz an dich gewöhne. Mein Heim ist nicht von dieser Zeit.“ Wenn dann die letzte Erlösung kommt, wird „unser Mund voll Lachens“ (Lied 298) sein. Totengedenken ist richtig, ehrenvoll und selbstverständlich, doch der letzte Sonntag des Kirchenjahres weist nach vorne auf unser aller Ziel hin und trägt drum sinnvollerweise den Namen „Ewigkeitssonntag“.

Dr. Hartmut Borchert