Liebe Gemeinde,

als Kind haben meine Eltern mit mir und meinem Bruder oft Ausflüge auf Burgen gemacht. Ich erinnere mich an die teils sehr anstrengenden Anstiege und die hohen Gemäuer der Burgen, die oft sehr eng auf mich wirkten, aber anderseits auch eine geschützte Atmosphäre boten. So als kleiner Bub war das zwar ganz schön aufregend, aber ich konnte nie über die Mauern schauen, da ich einfach zu klein war. Wenn wir dann den Burgturm erklommen hatten, bewunderten meine Eltern den Blick in die Ferne und ich schaute erstmal nur gegen die Mauer, was ich eher langweilig fand.

 

Naja, natürlich haben mich meine Eltern auch hochgehoben und dann konnte auch ich alles sehen und verstand die Begeisterung meiner Eltern. Wunderschön, ja so sieht die weite Welt wirklich aus.

 

So ähnlich können wir uns das mit dem Heiligen Geist auch vorstellen, ER hebt uns aus unserer begrenzten Sicht auf die Welt empor. ER zeigt uns die Welt, das Leben und uns selber mit Gottes Augen. Wenn wir uns so im Lichte Gottes erkennen, mit allem was wir tun oder auch nicht, wird uns vielleicht bewusst, dass manches nicht ganz so läuft, wie es im Sinne Gottes laufen sollte.

 

Das ist ja nicht verkehrt, denn wenn es uns betroffen macht, zeigt es nur, dass der Geist Gottes unser Herz berührt. Und wo uns der Geist berührt, da will Gott uns auch verändern, ja, ER will uns verändern, denn wir allein haben meist nicht die Kraft dazu. Aber Gott kann! In einem Bibelvers können wir lesen:

 

„Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Römer 8, 32).

 

Begeistert von dem, was Gott in meinem Leben getan hat, was ER heute tut und morgen tun wird, kann ich jeden neuen Tag mit Zuversicht und Dank beginnen. Und, das ist nicht abhängig von der Lebenswirklichkeit, die mich umgibt wie eine Burgmauer. Die Welt um mich herum bleibt zwar die gleiche, aber der Geist Gottes öffnet mir den Blick in die reale Welt Gottes und das schenkt mir Zuversicht, Freude und wenn nötig auch mal Trost. Jesus sagte seinen Jüngern einmal ganz offen:

„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16, 33).

 

 

 

Die Jünger Jesu haben sich nach dem Tod, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu erstmal nicht direkt unter die Leute getraut. Als sie aber beim Pfingstfest beieinander waren, da kam der Heilige Geist auf sie herab und sie begannen allen Menschen davon zu berichten. Die Menschen, die ihre Berichte hörten, erkannten in den Worten die Wahrheit über Jesus, die Welt, sich selbst und schlossen sich den Jüngern an. So begann das Leben der Gemeinde Jesu und daraus sind im Laufe der Zeit alle christlichen Kirchen entstanden. Bis heute sind wir alle darauf angewiesen, dass der Geist Gottes uns die Augen öffnet, die Wahrheit in Klarheit erkennen lässt und uns durch dieses Leben leitet, damit wir den rechten Weg finden und darauf bleiben können.

 

O komm, du Geist der Wahrheit,

und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit,

verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer,

rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer

den Herrn bekennen kann.

 

Mit diesem Lied bitten wir an Pfingsten, dass Gott uns mit seinem Geist der Wahrheit erfüllt, damit wir IHN, die Welt und uns in der Klarheit des Heiligen Geistes erkennen können. Denn das ist die Grundlage für das christliche Leben, jedes einzelnen von uns und unserer Kirche.

 

Darum feiern wir Pfingsten, eines der ganz großen christlichen Feste und sozusagen die Geburtsstunde der Kirche.

 

Ich wünsche Ihnen eine frohe und bewahrte Zeit und ein gesegnetes Pfingstfest.

Daniel Kalkus